Ein Heilbad im Zeichen der Weltkunst

Die markanten Wahrzeichen von Bad Rothenfelde sind zwei historische Gradierwerke, die ursprünglich zum Salinenbetrieb gehörten. Heute besitzen sie eine touristische Magnetkraft für Tausende Besucher.
Ein Heilbad im Zeichen der Weltkunst

15.10.2020

Mit 10.000 qm Rieselfläche verteilt auf das Alte Gradierwerk mit einer Länge von 112 m und das 411 m lange Neue Gradierwerk bilden sie eine gigantische und weltweit einzigartige Projektionsfläche. Wo in der Welt können Projektionen über eine Gesamtlänge von 312 m auf 10 m Höhe Besucher begeistern?

Nicht nur die Achse des 1 km langen Kunstparcours, sondern auch der Wechsel von feinen Verästelungen und Verkrustungen in der Oberfläche der Dornenwände erzeugt eine facettenreiche Strahlkraft der Projektionen. Renommierte Künstler dieses Genres haben seit 2007 diese Chance ergriffen, ihre Werke über mehrere Monate im Bad Rothenfelder Kurpark zu präsentieren. William Kentridge, Robert Wilson, Kanjo Také, Veldhus und Schumacher, Klaus Obermaier sind nur ein Auszug der großen Namen.

Von 2007 bis 2017 hat die Heinrich W. Risken Stiftung die alleinige Finanzierung der lichtsicht 1 – 6 projektions-biennale sichergestellt. Die lichtsicht 7 soll der Beginn einer neuen Ära als Triennale in öffentlicher Trägerschaft mit einer öffentlichen Förderkulisse sein. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert dieses Projekt einmalig mit 80.000 Euro. Der Zuwendungsbescheid wurde am 13. Oktober 2020 in Bad Rothenfelde dem Stellvertretenden Bürgermeister Edmund Tesch durch Minister Björn Thümler überreicht.

„Ich freue mich sehr darüber, in Bad Rothenfelde ein Projekt unterstützen zu können, das weit weg von den großen Kunstmetropolen dieser Welt tatsächlich Kunst auf Weltniveau in einer einzigartigen Umgebung präsentiert. Besonders in Zeiten der Corona-Pandemie bietet die Lichtsicht 7 projektions-triennale Bad Rothenfelde ein ideales Format, das draußen im Freien viele unterschiedliche Menschen zum Kunstgenuss ohne „Schwellenangst“ einlädt.“ bekräftigt der Minister.

MdL Martin Bäumler, der den Minister begleitete, ist ein großer Befürworter der lichtsicht. Allein die positive Resonanz in seinem Heimatort Glandorf hatte ihn motiviert, sich als Fürsprecher für die Förderung mit öffentlichen Mitteln einzusetzen.

Für Bad Rothenfelde hat sich dieses einzigartige Kunstevent zum unverzichtbaren Kulturereignis entwickelt.  Es ist eine ideale Symbiose, die die Heilkraft der Sole und mit der Leuchtkraft der lichtsicht verbindet. Denn kulturelle Erlebnisse sind eine Kraftquelle für den Geist. Gerade im hochprädikatisierten Heilbad ist aus therapeutischer Sicht der künstlerische-kulturelle Aspekt untrennbar mit dem Erfolg einer Kur- und Rehamaßnahme verbunden. Diese Kunstform hat zusätzlich eine Anziehungskraft, die weit über die touristische Region des Osnabrücker Landes reicht.
 
Edmund Tesch fasste es mit den markanten Worten zusammen: „Die Förderung ist eine Anerkennung und Wertschätzung für die bisher geleistete Arbeit. Die lichtsicht 7 ist ein Meilenstein in der Außendarstellung für Bad Rothenfelde“.
 
Garant für diesen hohen Anspruch ist der künstlerische Leiter und Kurator Prof. Michael Bielicky, der selbst als Medienkünstler zwei Mal an der lichtsicht- projektions-biennale teilgenommen hat. Ihm zur Seite stehen der Projektleiter Tim Roßberg und der technische Leiter Christian Meier.
Mit der lichtsicht 7 setzt Michael Bielicky neue, aufsehenerregende Akzente und konnte große Namen wie Jeffrey Shaw, Julius von Bismarck, Refik Anadol und LuYang gewinnen. Die Intension „Narrative der vermischten Realität“ zeigt sich in der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler. Das klassische Medienkunstverständnis wird mit dem Netz-Medienverständnis lehrreich und spielerisch erweitert.

Christian Meier verwendet die neueste Beamertechnik. Die Auflösung der Geräte erreicht fast 4k Niveau und verleiht den Kunstwerken an den Gradierwerken eine nie dagewesene Plastizität. Der neu hinzugewonnene Farbraum erreicht dabei Kinoqualität.
 
Mit dem Start am 23. Oktober 2020 begeht Bad Rothenfelde einen neuen Weg. In einer denkwürdigen Zeit voller Risiken und Unsicherheiten schenkt das Heilbad den Besuchern eine Ablenkung, einen Hoffnungsschimmer und ein Kunsterleben, dass sich als ein leuchtendes Ereignis und einen deutlichen Kontrapunkt zu der Jahrhundertpandemie erweisen wird.