Gradierwerk

Gradierwerk

Ihre Geschichte geht auf die Bad Rothenfelder Salzindustrie im 18. Jahrhundert zurück. Damals dienten sie als Teil des Salinenbetriebs reine Verdunstungsanlagen. An den Schwarzdornwänden rieselt die 5%-ige Quellsole in vier Kreisläufen ab und so verringert sich der Wassergehalt und verdichtet sich die Sole auf 25% Salzgehalt. Dies verkürzte das Verkochen der Sole zu Speisesalz in den Siedepfannen.

Diese beiden Wahrzeichen charakterisieren die Ortsmitte von Bad Rothenfelde. Mit ihren glitzernden Dornenwänden sind die Gradierwerke nicht nur schön anzusehen, sondern sie erfrischen und reinigen die Luft, so dass jeder automatisch tief inhaliert. 112 m lang und 13 m hoch ist das Alte Gradierwerk (1774-1777) Vis à Vis zum Kurmittelhaus. 412m x 10m misst das Neue Gradierwerk (1818-1824) oberhalb des Rosengartens und gemeinsam ergeben diese Giganten 10.000 qm Rieselfläche. Damit gehören sie zu den größten Anlagen Westeuropas, die ganzjährig im Betrieb sind.

Vier Monate sind die Gradierwerke nach Einbruch der Dunkelheit die Leinwand eines weltweit einmaligen Kunstparcours.

Einmalig, weil diese 10.000 qm großen Dornenwände das Licht facettenreicher erstrahlen lässt als jede andere Fläche, auf die Bilderwelten projiziert wird. Die winzigen Salzkristalle in der herabrieselnden Sole sind wie Prismen. Je nach Blickwinkel verleihen sie den Projektionen eine einzigartige Brillanz. Die lichtsicht 7 stellt kein Video-Mapping auf Gebäude in den Metropolen dieser Welt in den Schatten. Die lichtsicht entwickelt eine eigene, spektakuläre Kunstform, die nur auf den Bad Rothenfelder Gradierwerken möglich ist.

Einmalig, weil genau diese Struktur der "Leinwand" für die Künstler*Innen eine besondere Herausforderung darstellt. Der Wechsel vom frischen Dornengeflecht über bizarre Formen ummantelter Zweige bis zu fast glatten Oberflächen verleiht einer einzigen Projektion völlig neue Schattierungen. Wie ein Triptychon aus bewegten Bildern erstreckt sich über mehrere 100 qm ein einziges Sujet. So reihen sich über die gesamte Länge beider Gradierwerke faszinierende Kunstwerke aneinander.

Einmalig, weil nirgendwo diese Bilderwelten über einen so langen Zeitraum gezeigt werden. Eine 1000 m lange Galerie im öffentlichen Raum präsentiert über vier Monate täglich bildgewaltige Szenen. Der weitläufige Kurpark erlaubt es, diese Projektionen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. In unmittelbarer Nähe verschmilzt der Passant mit dem Bild und wird für andere Teil der Fläche. Auf Abstand erfasst der Besucher die gigantischen Ausmaße der erweiterten Projektionen und kann die Bildfolgen auf sich wirken lassen.